Römischer Jüngling

  karte_2
  jue_1
  jue_2
  jue_3

Datierung 1936/37 | Otto-Hahn-Platz


Zwischen Bäumen und Instituten versteckt befindet sich eine Bronzestatue auf einem Steinsockel, auf dem drei Wörter zu erkennen sind: FIDEI HUMANITATI VIRTUTI / 1933-1945 (Der Tugend, der Menschlichkeit, der Stärke). Der Römische Jüngling, welcher 1936/37 vom damals 31-jährigen deutschen Bildhauer Hermann Blumenthal aus Bronze geschaffen wurde, steht aufrecht mit über dem Kopf gekreuzten Armen und leicht versetzten Beinen in ca. 1 m Höhe. Sein starrer Blick geht in die Ferne, der Gesichtsausdruck wirkt traurig und entmutigt. Auch wenn die Figur erhöht ist und das Ideal des jungen männlichen Körpers der römischen Antike nachempfindet, so hat sie doch keine besonders heldenhafte Wirkung, was zu ihrer Entstehungszeit im Nationalsozialismus nicht dem Kunstideal entsprach. Die Skulpturen der NS-Zeit sollten einen heroischen Eindruck hinterlassen, Tatkraft und Willensstärke symbolisieren – doch das ist hier nicht der Fall. Der Jüngling erscheint zwar stolz, dennoch strahlt er durch seine geöffnete Haltung gleichzeitig Verletzlichkeit aus.

Die Bronzeplastik wurde 1955 von der CAU erworben, in Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches. Hierbei wurde besonders auf die Biografie des Künstlers geachtet. Blumenthal, welcher wegen seines jüdischen Glaubens zeitweise verfolgt und dessen Kunst als ‚entartet‘ verfemt worden war, fiel 1942 als Soldat in Russland. Die Inschrift des Mahnmals verweist auf die zu lebenden ethischen und moralischen Grundsätze der Universität.

Text
Rebecca Rohner

 

Literatur

Frank, Volker: Blumenthal, Hermann, in: Allgemeines Künstlerlexikon, hrg. von K.G. Saur, Bd. 11, München/Leipzig 1996, S. 644-645.

Kat. Hermann Blumenthal. 1905-1942. Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik, Ausstellung Villa Grisebach, hrg. von Kunsthandel Wolfgang Werner, Berlin 1992.

Petersen, Jan: Hermann Blumenthal: Römischer Jüngling, 7. August 2015, URL:https://www.sh-kunst.de/hermann-blumenthal-roemischer-juengling/ [10.05.2018].

Bildnachweis
Rebecca Rohner