Fassade des Anatomischen Instituts

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Datierung 2010 | Otto-Hahn-Platz 8


Dass sich auf der Rückseite der roten Backsteinbauten am Otto-Hahn-Platz ein monumentales Kunstwerk befindet, geht im Unialltag an Vielen vorbei. Doch die Fassade am Erweiterungsbau des Anatomischen Instituts, 2010 fertiggestellt, lohnt einer genauen Betrachtung. Durch Einfräsungen in die roten Platten, treten anatomische Motive zu Tage, die an Leonardo da Vincis revolutionäre Körperstudien erinnern. Er war einer der ersten Künstler, der selbst Leichen sezierte und seine Ergebnisse in plastischen Zeichnungen festhielt. Diese dienten ihm nicht nur als Vorlagen für seine Kunst, sondern brachten auch die medizinische Forschung voran.

Über die gesamte Länge erstrecken sich einzelne Gliedmaßen und ein Schädel in überproportionaler Größe. Die stilisierte Darstellung resultiert in einer Ästhetisierung des Themas. Das lateinische Zitat „Mortui vivos docent“ – die Toten lehren die Lebenden –, das über dem Eingang des Instituts angebracht ist, führt vor Augen, dass die Forschung am menschlichen Körper für den medizinischen Fortschritt und die Ausbildung der angehenden Ärzt_innen unabdingbar ist. Die Studierenden des Fachs sind auf Körperspenden angewiesen, nur so können die komplexen menschlichen Strukturen gelehrt, gelernt und verinnerlicht werden.
Das blutrote Kolorit findet sich auch in den Unterrichtsräumen wieder. Dadurch wird ein Bezug zur Lehre sowie der Praxis des Präparierens hergestellt. Die einzigartige Gesamtgestaltung verbindet so Kunstwerk und Lehrbetrieb.

Text
Lupita Böhnke Quintana

 

Literatur

Nova, Alessandro: 'La dolce morte'. Die anatomischen Zeichnungen Leonardo da Vincis als Erkenntnismittel und reflektierte Kunstpraxis, in: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit 9 (2005), Heft 1-2, S. 101-130.

https://www.anatomie.uni-kiel.de/de

Bildnachweis
Jürgen Haacks / Uni Kiel