Neue Mensa I

Datierung 1966/67 u. 2001 | CAP, Westring 385


Das Studentenhaus, in dem sich unsere ,Neue Mensa´ befindet, wurde im Wintersemester 1966/67 am Westring als neues Forumsprojekt der CAU eröffnet. Die Erweiterung mit ersten Neubauten erfolgte nach dem sogenannten Hammer-Plan, benannt nach dem damaligen Rektor Heinrich Hammer. Es musste für die ab den 1950er Jahren ständige steigende Anzahl der Studierenden neuer Raum an der Universität geschaffen werden. So wurde das Studentenhaus der zentrale Bau des neuen Forums, das sich heute aus dem Sechseckbau, dem Audimax, der Unibibliothek am Westring und dem Hochhaus bildet.

Die Idee eines modernen Baus wurde umgesetzt, der nicht nur als Lehrstätte fungierte, sondern sich gleichzeitig harmonisch in den Stadtplan von Kiel einbringen ließ. Der deutsche Architekt und Hochschullehrer Friedrich Wilhelm Kraemer übernahm diese Aufgabe und gestaltete eine Stahlbetonskelettkonstruktion auf rechteckigen Grundriss. Das heute verglaste Dach der ,Neuen Mensa´ war zu diesem Zeitpunkt noch offen. Statt Speisesaal befand sich dort ein mit Wasserbecken und Hochbeeten ausgestattetes Atrium, welches die verschiedenen umliegenden Bereiche des Studentenhauses miteinander verband. Es wurde als zentraler Raum des Lernens verstanden, indem sich Studierende aufhielten und mit Anderen in Kontakt treten konnten. Dieser Ansatz spiegelt sich heute noch in der Brunnenanlage an der Ecke Westring/Olshausenstraße wieder. Hier fand 2009 auch die Große Muschel des Bildhauers Emil Cimiotti ihren endgültigen neuen Standort, nachdem zu aufgrund des Mensa Umbaus dort entfernt worden und lange Zeit erst im Depot verschwunden war.

 

Nachdem die ,Neue Mensa´ 2001 durch das Büro rimpf ARCHITEKTUR neu gestaltet wurde, mussten die gestuften Pflanzenbeete und großen Brunnen weichen. Der bisherige Innenhof wurde zu einem Marktplatz umstrukturiert, an den die Essensausgabe angrenzt. So blieb der zentrale Raum, der er einst einmal war, erhalten. Hier bietet sich viel Speisefläche für die Studierenden. Um den Platz herum befinden sich in den ehemaligen Verwaltungsflächen eine Buchhandlung, ein Eiscafé, ein Bistro und eine öffentliche Nutzung durch den AStA. Er wird von natürlichen Bäumen umrahmt, die Wasser und Nährstoffe aus dem Erdboden beziehen. Das Glasdach sorgt weiterhin für einen mit Tageslicht durchfluteten Raum, welcher durch Witterung bestimmt, das frühere offene Atrium nicht vergessen lässt. Ebenso findet die Stahlkonstruktion, die das Glasdach hält, Anlehnung an Kraemers Grundidee: Die massigen Pfeiler lösen sich nach oben in weitere dünnere Streben zum Dach hinauf. Damit erinnern sie an die umliegenden Baumkronen. Dadurch werden neuen moderne Strukturen unterstrichen und alte Konstrukte funktionalisiert.

 

Text
Kimberly Knipfer

 

Literatur

Kat. Hans-Martin Ihme. Rauminstallation, Spiegelraum u.a. Lichtmaschinen, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen am Rhein, Heidelberg 1986, S.1-6.

Kat. Lichtmaschinen von Hans-Martin Ihme im electrum, electric Art´89, Museum der Elektri-zität in zus. Galerie Meißner, Hamburg 1989, S.1-5.

Petersen, Jan: Hans-Martin Ihme: Halb Acht im Kreis, 10. September 2015, URL: https://www.sh-kunst.de/hans-martin-ihme-lichtkinetik/ [10.05.2018].

Bildnachweis
Kimberly Knipfer