Hans-Dieter Nägelke

Hans-Dieter Nägelke
Der Gropius-Bau der Kieler Universität. Architektur zwischen regionaler Identität und preußischer Politik.

Geb., 176 S., 76, teils farb. Abb.
Kiel: Christian-Albrechts-Universität 1991.
ISBN 3-928 794-00-0    

 

Nachdem schon in den zwanziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts die bestehenden Räumlichkeiten der Kieler Universität als unzureichend kritisiert worden waren, hatte die 1859 erneut formulierte Idee eines Universitätsneubaus durch die andauernden Auseinandersetzungen der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg mit dem Dänischen Reich eine politische Dimension erhalten: Nach Vorstellungen des Kieler Philosophen Gustav Ferdinand Thaulow sollte ein Neubau allein aus Spendenmitteln finanziert werden, um so ein Zeichen der Autonomie von Hochschule und Herzogtümern zu setzen.

Nach dem raschen Erfolg der Spendensammlung wurde 1863 eine architektonische Konkurrenz ausgeschrieben, an der sich zwölf Architekten beteiligten. Die Entscheidung des Preisgerichts (neben Vertretern des Bauvereins und der Hochschule die Architekten Heinrich Strack, Friedrich Hitzig und Ludwig Lange) zugunsten eines Rundbogenprojekts des Hamburger Baumeisters Carl Remé führte seitens der Einsender neugotischer Entwürfe zu heftiger Kritik, in der die Forderung nach einem mittelalterlichen als nationalem Stil angesichts der brisanten Situation der Herzogtümer eine wesentliche Rolle spielte. In der Folge wurde ein Entwurf des Kieler Stadtbaumeisters Gustav Ludolf Martens (1818–72), der als Ziegelbau den gemäßigt gotisierenden Formen der Hannoveraner Schule folgte, zum exponierten Projekt.

Preußen stand nach seiner Regierungsübernahme 1867 einem Neubau wohl wegen der mangelnden Loyalität der Hochschule zunächst abwartend gegenüber, begriff ihn dann aber zunehmend als Möglichkeit der Einflußnahme auf die Stimmungslage von Universität und Öffentlichkeit. Damit war die Neubauplanung allerdings nicht mehr ein Projekt der Universität, sondern Sache des Berliner Kultusministeriums – der von den Berliner Architekten Martin Gropius (1824–80) und seinem Kompagnon Heino Schmieden (1835–1913) ausgeführte Bau entstand ohne weitere Beteiligung der Kieler Gremien und allein nach Beschluß des Kultusministeriums in Absprache mit dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

Das an exponierter Stelle axial zum Kieler Schloß an der nördlichen Stirnseite des Schloßgartens errichtete Gebäude bildet eine zweigeschossige, nach hinten geöffnete Dreiflügelanlage mit dominantem Mittelpavillon, der in den Hof als apsidial geschlossene Aula verlängert ist. Die klare Grundrißkonzeption des im Vergleich zu anderen Universitäten kleinen Gebäudes entspricht mit einem betonten Mittelbau und den untergeordneten Seitenflügeln wie in Stülers Königsberger Universität (1858–62) oder der Technischen Hochschule Aachen (Robert Cremer, 1865–70) ganz dem Konzept der Scheidung in unterschiedliche Nutzungsbereiche: Die Mitte bildet eine durch die Innendekoration festlich hervorgehobene Repräsentationsachse von zweigeschossigem Vestibül und Aula mit Emporen, während sich in den Flügeln die Lehr- und Geschäftsräume an schlicht gehaltenen Korridoren aufreihen: im Erdgeschoß die Verwaltungsräume, die Konsistorial- und Fakultätssäle, ein Seminarraum, die archäologische Sammlung und zwei Auditorien, im Obergeschoß bis auf einen weiteren Fakultätssaal ausschließlich Hörsäle, darunter im östlichen Seitenrisaliten die kleine Aula mit 150 Plätzen. Das Kellergeschoß nimmt neben den Wohnungen der Pedellen die technischen Anlagen, weitere Sammlungsräume und die akademische Lesehalle auf.

Gropius & Schmieden waren bemüht, die Nutzungskonzeption auch am Außenbau erfahrbar zu machen. Neben der Hervorhebung der Mittelfront durch ein aufgeblendetes, dreijochiges Loggienmotiv und dessen reicher Ornamentierung wird besonders durch die Massengliederung eine klare Unterordnung der Seitenflügel erreicht – lediglich die Materialbehandlung und das Gurtgesims als einziges, alle Gebäudeteile umfassendes Horizontalmotiv stellen die Einheit des Gebäudes wieder her. Die Materialwahl (gelber Ziegel mit roten Horizontallagen, ausschließliche Verwendung von zum Teil farbigen Terrakotten für Ornamente und Gliederungsmotive), das sich an Schinkel und Carl Boetticher anschließende, ›tektonische‹ Ornamentverständnis, die harmonische Farbgebung außen und innen (gelb, rot und grün) sowie schließlich die klare Massendisposition und materialgerechte Horizontalität (durchgehende Verwendung des Segmentbogens) machen das Kieler Kollegiengebäude zu einem exponierten Beispiel jener ›Hellenischen Renaissance‹ der Berliner Schule in Nachfolge Schinkels, wie sie Martin Gropius am konsequentesten vertrat.

Einen weitergehenden Anspruch in Gestalt einer Betonung nationaler oder anderer politisch-ideologischer Aussagen vertrat diese Bauweise in ihrer architektur-immanenten, d.h. allein form- und materialbezogenen Konzeption nicht. Angesichts der zuvor betriebenen Verquickung von Neubauwunsch und Autonomiebestreben durch Hochschule und Land konnte sie in Schleswig-Holstein jedoch kaum so verstanden werden: Das Gebäude wurde neben anderen preußischen Bauten dieser Jahre in seiner spezifisch Berliner Formensprache zum deutlichen Zeichen der Abhängigkeit von der neuen Regierung.

Termine

Gastvortrag an der Fachhochschule Kiel

vortrag

Der Vortrag von Prof. Dieter Mersch (Zürich) im Rahmen der Tagung 'Bewegtbilder 2019'
am 09. Mai um 17:30 Uhr auf dem Campus der Fachhochschue Kiel (Sokratesplatz 2, Etage 7)
wird als Gastvortrag anerkannt.

Studentische Hilfskraft Kunst - Profil Lehramt zum 1. Juli 2019 gesucht

Hiwi gesucht

Wenn Sie Interesse haben, dann senden Sie Ihre Bewerbung mit kurzem Motivationsschreiben, Lebenslauf und aktuellem Leistungsnachweis bitte bis zum 30. April 2019 an:

Kunsthistorisches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Wilhelm-Seelig-Platz 2
24118 Kiel

Hinweis: Bewerben können sich sowohl Studierende der Studiengänge Kunst - Profil Lehramt als auch der Kunstgeschichte. Erst einmal ist die Stelle befristet bis zum 31.3.2020, eine Verlängerung ist wahrscheinlich.

Nähere Informationen zur Stellenausschreibung hier

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Martina Ide: ide@kunstgeschichte.uni-kiel.de

Freie Plätze in den Übungen

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

In den Übungen ›Architektur der 1960er und 70er Jahre als Thema der Denkmalpflege‹ und ›Digital Humanities - Anwendung in der Kunstgeschichte (praxisorientierte Übung)‹ sind noch Plätze frei. Anmeldung bitte über die Liste im Geschäftszimmer (Architektur der 1960er und 70er Jahre) oder per Mail an schwertfeger@kunstgeschichte.uni-kiel.de (Digital Humanities).

NEUER STUDIENGANG: 'Aufbau-Master' Kunst Lehramt (AMK)

studieninf

Zum Wintersemester 2019/20 startet am Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein Ein-Fach-Masterstudiengang Kunst Lehramt mit dem Abschluss Master of Education (M. Ed.). Zugangsvoraussetzung ist die Vorlage eines Bachelorabschlusses (oder adäquatem Abschluss) in einem künstlerischen Fach.

Informations-, Beratungs-, und Zugangsgespräch zur Einschreibung
6. Juni 2019 9:00 Uhr – 12:00 Uhr
8. Juli 2019 9:00 Uhr – 18:00 Uhr
Raum 109 – Wilhelm-Seelig-Platz 2 (Eingang: Westring 423) – 24118 Kiel

Weitere Informationen hier und hier (zur Broschüre)

Anmeldungen richten Sie bitte an: ide@kunstgeschichte.uni-kiel.de

Tagung Moderne am Meer

tagung

Die Tagung Moderne am Meer I - Künstlerische Positionen zwischen 1900-1945 in Schleswig-Holstein findet statt am 23. bis 25. Mai 2019 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Schleswig

Die Studierenden können sich pro zwei Vorträgen der Tagung einen Gastvortrag anrechnen lassen, maximal können drei Gastvorträge erworben werden. Das Institut hat zwei Uni-Kleinbusse reserviert und bietet für die Studierenden an allen drei Tagen einen kostenlosen Transfer Kiel-Schloss Gottorf-Kiel an. Abfahrt ist jeweils um 7.30 Uhr am Parkplatz vor dem Institut, Rückkehr jeweils abends nach Veranstaltungsende. Aus organisatorischen Gründen bitten wir darum, dass Sie sich vorher im Geschäftszimmer für die Fahrten anmelden.

Weitere Informationen siehe PDF

WERKE VERSTEHEN Methoden der Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik

tagung

Die Arbeitstagung der AG-Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik im BDK unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Heinen (Bergische Universität Wuppertal) findet statt am

10. + 11. Mai 2019
Freitag 13:00-18:00 Uhr – Samstag 9:00-14:00 Uhr

Kunsthistorisches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Raum 122 – Wilhelm-Seelig-Platz 2
Eingang: Westring 423, 24118 Kiel

Die Arbeitstagung ist öffentlich, so dass Studierende der CAU und andere Interessierte daran teilnehmen können. Weitere Informationen siehe PDF.

Die neue Broschüre des Kunsthistorischen Instituts ist da

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