Studierende auf dem Weg zur Mitbestimmung?


fachschaft
 
Von Eva-Maria Karpf, Christine Kratzke und Andrea Multerer

«Fachschaft« wird die gewählte Vertretung aller Studierenden eines Faches (in unserem Fall: Kunstgeschichte und Klassische Archäologie) genannt.

Damit die Fachschaft ihre Arbeit sinnvoll leisten kann, steht ihr ein eigener Raum am Institut sowie ein Semesterzuschuß vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuß (AStA) zur Verfügung. Bei den jährlichen Universitätswahlen wird auch die offizielle Fachschaftsvertretung von den Studierenden gewählt. Welche Themen und Forderungen der Fachschaft Kunstgeschichte/Klassische Archäologie seit ihrem Bestehen besonders am Herzen lagen, welche Angebote sie machte, und – nicht zuletzt – wer diese idealistischen Menschen waren, die über die Jahre hinweg immer wieder bereit waren, sich für ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen zu engagieren, das soll dieser Beitrag dokumentieren.

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte der einzelnen Fachschaften der Kunstgeschichte und ihrer Gruppenmitglieder, kristallisieren sich dennoch einige Tätigkeitsbereiche besonders heraus. Zum einen finden die alltäglichen und außergewöhnlichen institutsinternen Belange Beachtung, zum anderen sind hier hochschulpolitische Aktivitäten oder Aktionen zu verzeichnen. Zu den alltäglichen Dingen des Institutslebens gehört die Tasse Kaffee oder Tee, an der man sich im Fachschaftsraum im Keller des Instituts günstig erquicken kann. Auch bietet sich dort in netter Atmosphäre die Gelegenheit, theoretische und praktische Fragen des Studiums zu diskutieren. So werden z. B. Auskünfte im Rahmen der Erstsemesterberatung und zum weiteren Studienverlauf erteilt und eine Hilfestellung hinsichtlich eines Universitätswechsels im Inland oder ins Ausland ist ebenfalls möglich. Darüber hinaus ist Literatur in der kleinen Fachschaftsbibliothek zu finden. Seit einigen Semestern erstellt die Fachschaft das kommentierte Vorlesungsverzeichnis und aktuelle Veranstaltungskalender. Zeitweise wurden auch Fahrten zu den jeweiligen Veranstaltungsorten organisiert. Eine andere Initiative der Fachschaft ist das sogenannte »Institutsgespräch«, zu dem die Lehrenden eingeladen werden und jedes interessierte Fachschaftsmitglied, sprich jede(r) Studierende teilnehmen kann, um über verschiedene aktuelle studienrelevante Themen zu diskutieren.

Über das eigene Institut hinaus engagierte sich die Fachschaft auch in größerem Rahmen. Die universitätsweite Fachschaftsarbeit wird koordiniert vom Fachschaftsreferat des AStA, das 1983 auch von einem Kunstgeschichtsstudenten, Attila Teixeira-Brasil geleitet wurde. Während der Vorlesungszeiten finden regelmäßig FachschaftsvertreterInnenkonferenzen (FVK) statt, auf denen Schwierigkeiten und Initiativen der einzelnen Fachschaften vorgestellt und gemeinsame hochschulweite Aktionen unterschiedlicher Natur geplant werden. Die Fachschaft Kunstgeschichte nahm an der FVK regelmäßig teil. Aufgrund der aktuellen Hochschulreformpläne von Bund und Ländern, die Sinn und Qualität geisteswissenschaftlicher Studiengänge in Frage stellen, ist dieses heute wieder besonders wichtig.

Jedes Semester findet bundesweit die sogenannte »Studentische Konferenz für Kunstgeschichte« (KSK) statt, die jeweils unter einem bestimmten Thema steht und jedesmal von einer anderen Fachschaft organisiert wird. An vielen KSK nahmen Fachschaftsmitglieder aus Kiel teil, und zweimal wurde sie auch an diesem Institut veranstaltet, nämlich in den Jahren 1983 und 1991.

Neben allen wissenschaftlichen und politischen Aktivitäten zählen im weiteren die »berühmten« Kostümfeste der Fachschaften, die immer unter einem anderen Motto stehen, zu den Höhepunkten im Semester. Diese interdisziplinären Abendveranstaltungen locken in der Regel auch zahlreiche Studierende anderer Fächer sowie viele Dozenten an. Ferner bietet sich auch hier wieder die Gelegenheit zu Gesprächen in lockerer Atmosphäre, oft nach dem Motto: »fama nihil celerius«.

Die Gründung der ersten Fachschaft fällt in die Phase der »revolutionären« Tendenzen der späten sechziger Jahre – der Zeit der Studentenrevolten, der Streiks und der Demonstrationen. Es hatte zwar zuvor schon Studentensprecher und eine verfaßte Studentenschaft gegeben, doch keine Fachschaft im engeren Sinne. Die engagierten Studierenden der Kunstgeschichte waren im Wintersemester 1968/69 zunächst noch in eine fächerübergreifende Gruppe integriert, in der Geschichte, Indologie, Musikwissenschaft und andere Fächer der philosophischen Fakultät zusammengefaßt waren. Die Belange der einzelnen Fächer waren jedoch so verschieden, daß ein Konsens nicht gefunden werden konnte und sich etliche einzelne Fachgruppen bildeten, so auch die der Kunstgeschichte. Die »Blütezeit« der ersten Fachschaft lag etwa zwischen den Jahren 1969 und 1976. Diese Zeit wurde u. a. von kontroversen Diskussionen geprägt, die die Aufgabenbereiche und das Selbstverständnis der Fachschaft zum Inhalt hatten. Ferner ist für diese Zeit bezeichnend, daß Prof. Dr. W.J. Müller im Gegensatz zu Prof. Dr. Hubala den Aktivitäten der Gruppe positiv gegenüberstand.

Die erste große, gewagte Aktion der Fachschaft war 1969 die Ausarbeitung einer neuen Institutsordnung, deren Kernpunkt eine Abschaffung der Ordinarienuniversität vorsah. Natürlich hatte dies einen großen Aufruhr zur Folge. Die Verfasser wurden zu Prof. Dr. Hubala zitiert und sollten ihren »Schülerstreich« rechtfertigen. Doch blieb die Fachschaftsarbeit nicht auf institutsinterne Fragen beschränkt. Da das Institut damals mit etwa 70 Studierenden sehr überschaubar war, stand eine besonders intensive Beschäftigung mit praxisorientierten Fragenkomplexen kunsthistorischer Arbeit ebenfalls im Vordergrund.

So wurde 1970/71 aufgrund der Initiative einiger Fachschaftsmitglieder ein Arbeitskreis für Städtebau und Denkmalpflege ins Leben gerufen, der in seiner Thematik eine breite Öffentlichkeit interessieren konnte. Die maßgeblich Beteiligten waren anfangs: Hans-Günther Andresen, Michael Brix, Jutta Glüsing, Eberhard Klasse, Bärbel Manitz, Dieter Mayer-Gürr, Jörg Paczkowski, Renate Paczkowski und Hartmut Ralf. (1) Diese von Studierenden aufgebaute Projektgruppe wurde als Auflehnung gegen die herrschenden akadmischen Strukturen verstanden. Die Mitglieder erzielten erstaunliche Erfolge und wurden zu Mitbegründern des Ensembleschutzes. Wie wenig beachtet und damit umso akuter dieses Problemfeld war, und welches Anliegen die Gruppe hatte, wurde 1973 mit einer Fotoausstellung im Flensburger Rathaus dokumentiert. In der dafür entstandenen Schrift heißt es:

»Die Forderung, historische Bausubstanz in den Altstadtbereichen zu erhalten, wird nicht mehr nur von einer esoterischen (kunst-)historischen Interessengruppe gestellt. [...] Ohne Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen wurde bisher achtlos mit dem kulturellen Erbe [...] verfahren. [...] Historikern und Denkmalpflegern ist es als Versäumnis anzulasten, daß sie die Werte historischer Stadtanlagen vor einer breiten Öffentlichkeit nicht genügend artikuliert haben. Sie haben sich von den fortschrittsgläubigen Slogans, daß man sich im Interesse der Allgemeinheit der Entwicklung nicht entgegenstellen dürfe, einschüchtern lassen. Inzwischen aber hat sich erwiesen, daß durchaus andere Werte als Wirtschaftswachstum und hoher Lebensstandard lebensbereichernd sein können. [...] Wir sollten uns bemühen, unsere Altstädte wieder mit echtem Leben zu erfüllen; sie können uns bei der formalen Lösung vieler stadtplanerischer Probleme als Modell dienen.« (2)

1974 entstand dann ein Arbeitskreis, der das Konzept zu einer Studie über Kiels städtebauliche und architektonische Entwicklung 1840–1914 erstellte, an dem Uwe Albrecht, Hans-Günther Andresen, Susanne Böning, Ute Drews, Günther Ladwig, Elke Messer, Gerhardt Schacht und Perdita Schadow beteiligt waren. 1975 – im Jahr des Denkmalschutzes ! – wurde von Uwe Albrecht und Hans-Günther Andresen für die Stadt Kappeln im Rahmen eines Ideenwettbewerbs eine »Stadtbildanalyse zur Altstadtsanierung« angefertigt. (3)

Neben dem Denkmalpflegekreis, der in eine gesellschaftspolitische Richtung tendierte, nahm sowohl die Hochschulpolitik als auch die allgemeine Tagespolitik in der Fachschaftsarbeit schon seit 1969 eine wichtige Rolle ein. Der harte Kern dieser Richtung waren Tobias Weißert, Ulrike Harten, Hartmut Ralf, Ulrich Schulte-Wülwer sowie Wolfgang Zeigerer. Hier sind die anfangs geschilderten Ereignisse der »Fachschaftsgründung« und der Entwurf einer neuen Institutsordnung wieder aufzugreifen. In diesem Zusammenhang ist auch auf den »Rote Zellen-AStA« zu verweisen, der in seiner revolutionären Prägung dem Berliner AStA nur wenig nachstand und der natürlich auch die Fachschaftsmitglieder der Kunstgeschichte beeinflußte. Universitätsintern hatte die Kunstgeschichte keinen guten Ruf, und die Fachschaftsmitglieder arbeiteten als Teilnehmer an der FVK vordringlich daran, die Akzeptanz der Kunstgeschichte als »gesellschaftsrelevantes Fach« durchzusetzen. Die Äußerungen zu den Debatten um das Landeshochschulgesetz 1972 wurden im allgemeinen auch in der FVK diskutiert und an die Öffentlichkeit gebracht. Wie so oft bei hochschulpolitischen Aktionen fanden die Vorschläge der Studierenden leider nur wenig Beachtung, und 1972 wurde daraufhin von ihnen ein Streik beschlossen. Ein großangelegter universitätsweiter Boykott der Lehrveranstaltungen folgte, so daß z. B. Professor Dr. Alfred Kamphausen eine Vorlesung für nur einen Zuhörer hielt.

Innerhalb des Instituts war die Fachschaft darum bemüht, einer Lehrstuhlvakanz, die seit dem SS 1974 bestand, Abhilfe zu verschaffen. Doch trotz ihres Engagements konnte die Stelle erst 1976 wiederbesetzt werden. Auch zahlreiche weitere Bestrebungen der Fachschaft, wie z. B. das Mitspracherecht der Studierenden an institutsinternen Entscheidungen sollten im Sande verlaufen. Dennoch verbesserte sich der Informationsfluß zwischen Lehrenden und Studierenden, indem die Fachschaft z.B. Vollversammlungen einberief und als Vermittler fungieren konnte. Darüber hinaus richtete sie Tutorien ein, denen besonders im Hinblick auf die Lehrstuhlvakanz ein bedeutender Stellenwert zugemessen werden muß. Aber sie war auch universitätsübergreifend aktiv. Schon bei den ersten Treffen der KSK waren Kieler Fachschaftsmitglieder vertreten.

Last not least veranstaltete die erste Fachschaft natürlich auch Feten, zum Beispiel die feuchtfröhlichen Strandfeten in Eckernholm zum Ende des Sommersemesters, die häufig bis in die Morgenstunden dauerten. (4)

Nach der »Pionierphase« bis 1976 entstand eine Pause von mehreren Jahren, während derer die Kunstgeschichte durch die Fachschaft Geschichte vertreten wurde. Erst 1982 ergriffen Attila Teixeira- Brasil und Hans-Dieter Sommer wieder die Initiative und stellten im Studierendenparlament einen Antrag auf Fachschaftsgründung, der mit Zweidrittelmehrheit angenommen wurde. Seitdem existierte offiziell die Fachschaft Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Musikwissenschaft. Mit dem Umzug des Instituts an den Westring (Wilhelm-Seelig-Platz) erhielt sie jenen Raum im Souterrain, in dem die Fachschaft bis heute residiert. (5) Nach Attila Teixeira-Brasil galten ihre Mitglieder den Lehrenden damals als »Revoluzzer«, doch viele ihrer Anregungen zählen heute zum Institutsalltag. So führte diese Fachschaft die Einführungskurse und Tutorien ein und belebte die Institutsgespräche zwischen Lehrenden und Studierenden neu. Außerdem setzte sie sich wiederum verstärkt für ein Mitspracherecht der Studierenden bei Neubesetzungen ein. Serviceleistungen für ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen sah sie als Schwerpunkt ihrer Arbeit; dazu gehörten, außer der Beratung, die Information über Hochschulpolitik und andere studentische Belange durch Flugblätter, Plakate und eine Fachschaftszeitung, die allerdings nur zwei Ausgaben erlebte.

1983 gab es zum erstenmal eine KSK in Kiel, die aufgrund mangelnder Beteiligung den Tiefpunkt in der Geschichte dieser Konferenz bedeutete. Sie wurde daraufhin von einigen engagierten Personen, darunter Bernd Brandes aus Kiel, neu belebt und in den folgenden Jahren immer besser besucht.

Die Studierenden jener Jahre werden sich besonders an die Reisefreudigkeit dieser Fachschaft erinnern. Nicht nur verbanden die Mitglieder ihre Organisationstreffen mit Fahrten in die Umgebung, sondern sie boten auch Erstsemesterwochenenden und inoffizielle Tagesexkursionen an. Herausragend sind die beiden »DDR-Exkursionen« im April 1985 und 1988, die jeweils im vorausgehenden Wintersemester in wöchentlichen Treffen vorbereitet wurden. Die Anregung dazu kam von Gerhild Komander, die nicht zur Fachschaft gehörte, sie aber als Forum für ihre Ideen verstand. Sie kümmerte sich um die Durchführung dieser Exkursionen. Diese Fachschaft war bis etwa 1985 aktiv, wobei die Mitgliederzahl zwischen vier und fünfzehn schwankte. Außer den bereits erwähnten Personen gehörten Sabine Behrens, Achim Bücker, Bernd Müller, Carsten Pipoh, Cathrin Reisemann und Stephan Westfalen dazu.

Die dritte große Fachschaftsperiode begann am Ende des Sommersemesters 1987 mit den konstituierenden Sitzungen der Gründungsmitglieder. (6) Eine Brandstiftung im Fachschaftsraum, zu später Stunde durch Dr. U. Albrecht entdeckt, wurde zu dem bestimmenden Ereignis der darauffolgenden Monate. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei führten zwar nicht zur Ergreifung des Täters, brachten aber die Stiftung eines bis heute benutzten Sofas durch die leitende Beamtin der Kriminalpolizei mit sich und führten zur gänzlichen Renovierung und Umgestaltung des Raumes. (7) Andererseits erfolgte in diesen Monaten die Festlegung der grundsätzlichen Anliegen der Fachschaft, und neue programmatische Ansprüche wurden verabschiedet. Daraus resultierte im folgenden Januar die Kandidatur der Fachschaftsvertretung im Rahmen der alljährlichen Hochschulwahlen der Studierenden unter dem Motto: »Die Fachschaft seid Ihr! [...] Nehmt Euer Recht zur Mitbestimmung wahr«, um die Kommilitoninnen und Kommilitonen wachzurütteln.

Die Tätigkeiten der nun gewählten Vertretung fanden am Institut den üblichen Zuspruch bei den Studierenden, d.h. eine regelmäßige Teilnahme von einigen wenigen bei fachlichen Veranstaltungen und ein großer Zuspruch bei den Feten. Zu verzeichnen sind ferner verschiedene, die Studierenden betreffende Punkte. Zum einen wurde das Institutsgespräch weitergeführt. Zum anderen wurde hinsichtlich der Regelung zur Besetzung von HiWi-Stellen durch den Lehrkörper ebenfalls eine bessere Verständigung erzielt. So konnte eine öffentliche Ausschreibung der Stellen durchgesetzt werden. Die Vergütung für die bis dato unentgeltlich abgehaltenen Tutorien wurde ebenfalls erreicht. Natürlich manifestierten sich die Aktivitäten der Fachschaft auch in anderen Bereichen der Kunstgeschichte. Ein neues Schwarzes Brett erhielt seinen Platz im Institutsflur, ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis erschien und private Exkursionen wurden veranstaltet. Darüber hinaus konnten abendliche Sonderveranstaltungen verwirklicht werden, z.B. fand ein Vortrag der damals gerade an das Institut gekommenen Dr. Barbara Lange statt. Außerdem richteten einige Studentinnen in Anlehnung an die Veranstaltungen von Dr. Barbara Camilla Tucholski eine Arbeitsgemeinschaft »Freie Kunst« ein.

Die Teilnahme an der KSK in Bonn (1988), der KSK in Hamburg und der KSK in München (beide 1989) vertieften die Kontakte zu den Studierenden an den anderen Hochschulinstituten der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus wurde durch die Konferenz in Hamburg auch ein tieferer Einblick in das Hochschulwesen und in die Lehre an den kunsthistorischen Instituten der Universitäten der damaligen Deutschen Demokratischen Republik vermittelt. (8) In diesem Rahmen soll hier erneut auf die zweite in Eigeninitiative organisierte Fahrt in die Deutsche Demokratische Republik aufmerksam gemacht werden, die eine Gruppe Studierender des Kieler Instituts 1988 unternahm.

Der Streik im Wintersemester 1988/89 bildet einen weiteren Höhepunkt in der Fachschaftschronik. Im Vorfeld der Ereignisse wurde sogar eine studentische Delegation zur SPD-Fraktion in den Schleswig-Holsteinischen Landtag eingeladen, um zur Situation der Studierenden allgemein und im besonderen im Fach Kunstgeschichte Stellung zu nehmen. Inwieweit die Verbesserungsvorschläge in die Tat umgesetzt wurden, läßt sich bis heute nicht erkennen. Auch die Fachschaft Kunstgeschichte beteiligte sich tatkräftig an den Streikaktionen. Ein sehr treffendes Motto lautete: »Die Kunstgeschichte sitzt im Keller«, das ebenso auf die personellen und finanziellen Mißstände abzielte, wie es auf den unzulänglichen Seminarraum im Souterrain des Instituts hinwies.

Als ein Ereignis von besonderem Rang ist die zweite von der Kieler Fachschaft organisierte KSK anzusehen. Diese wurde vom 29.5.–2.6.1991 mit dem Thema: »KunsthistorikerInnen in der Gesellschaft« ausgerichtet. Die Veranstaltung lockte Studierende aus allen Teilen der Bundesrepublik und sogar aus der Schweiz an. Die verschiedenen Sektionen beschäftigten sich u. a. mit der Problematik der berufsorientierten Ausbildung an den Universitäten und an außeruniversitären Institutionen. Diese wurden hinsichtlich der unterschiedlichen Berufsfelder, des internen Themenangebotes an den einzelnen Instituten, der Prüfungsbedingungen (wie z. B. Sprachklausuren – »Latin again«) sowie Studienberatung und Methodik miteinander verglichen. Es folgten weitere Überlegungen zum »Magister Minor« und »Magister Maior« sowie zur Promotion, die dazu dienten, den derzeitigen Rang der Abschlüsse zu korrigieren und sie in eine Relation zueinander zu setzen. Praktika, Uniwechsel und Auslandsstudien wurden ebenfalls angesprochen. Ferner wurde die Situation der Frauen in der Kunstgeschichte beleuchtet, um den Einblick in den Arbeitsmarkt zu geben und die Lage der Frau als Kunsthistorikerin sowie (von der anderen Seite aus gesehen) als Künstlerin darzulegen. Darüber hinaus war die Wahl zwischen Beruf und Familie ein Thema der Diskussion.

Die Situation der Fachschaftsvertretung und der Studierenden am Institut heute läßt sich gut mit der der früheren Fachschaften vergleichen. Es ist bezeichnend, daß zwar innerhalb des Instituts verschiedene Verbesserungen erreicht werden konnten, viele grundlegende Probleme bis heute jedoch nicht gelöst sind. So gibt es auch heute wieder eine »Fachschaft«, die sich im Sinne ihrer Vorgängerinnen für die Studienbedingungen des fachlichen Nachwuchses einsetzt.


Anmerkungen

1) Hier wie im folgenden ist es aus heutiger Sicht schwer zu klären, wer von den Mitarbeitern der Arbeitskreise in der Fachschaft tätig war oder nur sporadisch an bestimmten Aktionen teilnahm. Auch engagierten sich viele der Studierenden aus den Arbeitskreisen im politischen Bereich, so daß hier eine »undurchdringliche Verwobenheit« entstanden ist.

2) Arbeitskreis für Städtebau und Denkmalpflege am Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel (Hrsg.), Flensburgs Altstadt – frei zum Abbruch oder Modell einer lebenswerten Umwelt?, Ausst. Kat. Flensburg 1973, S. 3f. Zuvor, quasi auf ihrem »theoretischen Probierfeld Lübeck« (H.-G. Andresen), waren schon 1972 die »Materialien zur Denkmalpflege« veröffentlicht worden. Die Tätigkeiten der Gruppe, zu denen auch die Teilnahme an diversen Konferenzen gehörte, wurden nicht nur regional, sondern auch überregional zur Kenntnis genommen und teilweise beim Ulmer Verein veröffentlicht.

3) Die Broschüre zu dieser Initiative wurde erst 1982 vom Magistrat der Stadt Kappeln herausgegeben.

4) Die Ausführungen hätten nicht entstehen können ohne die Auskünfte von Dr. Uwe Albrecht, Hans-Günther Andresen und Wolfgang Zeigerer, denen an dieser Stelle ein besonderer Dank ausgesprochen werden soll.

5) Die Unterlagen und Aktenordner dieser Fachschaftsgruppe fielen leider 1987 einem Brand zum Opfer. Glücklicherweise konnten wir ehemalige Fachschaftsmitglieder, Attila Teixeira-Brasil und Marion Dreger, sprechen, die sich für uns an ihre Arbeit erinnerten.

6) Fachschaftsmitglieder von 1987 bis 1992: Jörn Blanck, Anita Buchholz, Karen David-Sirocko, Oliver Fenske, Cora Fischer, Birte Hansen-Wester, Martin Henatsch, Gregor Heupel, Petra Hölscher, Anja Jänike, Petra Jensen, Silke Klaas, Uta Kornmeier, Arnold Kowalewski, Christine Kratzke, Gunda Krüger, Wiebke Kuhn, Bärbel Küster, Thomas Messerschmidt, Hans-Dieter Nägelke, Jens Martin Neumann, Bärbel Reiche, Dagmar Renfranz, Tatjana Rybakowski, Stefan Schipper, Tatjana Wolfers sowie zwei weitere Fachschaftsmitglieder, von denen leider nur noch die Vornamen in den Protokollen überliefert sind: Sabine und Thomas.

7) Leider fiel der Großteil der Akten der vorherigen Fachschaften den Flammen zum Opfer und nur wenige Aufzeichnungen konnten gerettet werden.

8) Themen waren z. B. die verschiedenen Universitätsstandorte, das Lehrprogramm und rein inhaltliche Fragen (pars pro toto: »Die Theorie der Bedeutung von Halle und Basilika«).

 

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Termine

Ver/Kleidung in Un/Ordnung, Dress Codes und Körpernormen als Gegenstand ästhetischer Bildung

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

Vortrag mit anschließendem Workshop und Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Nanna Lüth (Universität der Künste, Berlin) am 21. November 2017 von 16 - 19 Uhr im Kunsthistorischen Institut, Westring 423, Kiel

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Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Eva Sturm (Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg) am 15. Dezember 2017 von 14 bis 16 Uhr im Audimax, Hörsaal A, CAP2, 24118 Kiel (Im Rahmen des PerLe-Projektes Bild und Sprache – Sprache und Bild)

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Exkursion/Übung zu den Ausstellungen im Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr

ExkursionVom 16.-19. November 2017. Die Anmeldung erfolgt direkt bei Frau Lemke im Geschäftszimmer mit der Eintragung in die E-Mail-, und Referats-Liste sowie der Zahlung von 80 Euro für die Unterkunft in Ferienwohnungen in Alkersum (Verpflegung und Anreise werden von ihnen selbst organisiert).
Die Anreise bei Bahn oder per Auto bewerkstelligen Sie bitte selbst. Per Bahn 16.11. Kiel Anfahrt 8.03 Uhr – Wyk Ankunft 11.50 Uhr/ 19.11. Wyk Abfahrt 13.20 Uhr – Kiel Ankunft 16.57 Uhr. Weitere Informationen finden die im UnivIS.

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Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
 
Save the Date: 26.01.2018 - 9.30 Uhr - 16.00 Uhr
Nähere Informationen folgen in Kürze.

"Hildesheim. Objekte und Eliten vom 11. bis zum 13. Jahrhundert."

Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

Es sind noch zwei Plätze frei!

Die Exkursion findet von Montag 16. bis zum 20. Oktober 2017 statt.
Anmeldungen  werden im Geschäftszimmer angenommen. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Die Veranstaltungen von Herrn Lange beginnen krankheitsbedingt später im Semester. Das genaue Datum wird hier und per Aushang bekanntgegeben.

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Im Hauptseminar "Das Bildnis in der deutschen Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts" von Prof. Dr. Jobst sind noch Plätze frei. Anmeldungen bitte per E-Mail an jobst@kunstgeschichte.uni-kiel.de

Das Proseminar "Stillebenmalerei" ist vorläufig belegt.

Freie Plätze im Proseminar

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Im Proseminar " Fassungslos!? Zum Phänomen ungefasster/holzsichtiger/nichtpolychromierter Skulptur Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts (B1; KG-B1)" von Dr. von Ditfurth sind noch Plätze frei. Anmeldungen bitte per E-Mail an vonditfurth@kunstgeschichte.uni-kiel.de

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