Das Kunsthistorische Institut 1980–1993

 
Von Sabine Behrens, Petra Hölscher,
Hans-Dieter Nägelke und Jens Martin Neumann

 

Der Beginn der achtziger Jahre brachte für die Kieler Kunstgeschichte eine Vielzahl von Veränderungen. (1) Bis 1980 verfügte das Kunsthistorische Institut über zwei Assistenzen, eine C4– und eine C3–Professur. Zum Wintersemester 1980/81 wurde eine zweite C4–Professur eingerichtet, mit der sich eine dritte Assistenz verbinden sollte. Der hierarchische, letztlich noch dem Ordinarienprinzip verpflichtete Aufbau des Instituts wandelte sich schrittweise zu einem kollegialen Gremium, dessen sichtbarster Ausdruck die jährlich wechseln- de Leitung durch einen der Professoren wurde.

Die Vergrößerung des Lehrkörpers bedeutete für Kiel eine Erweiterung und eine Verschiebung der kunsthistorischen Interessenlage. Zum Wintersemester 1980/81 wurde der bis dahin an der Stockholmer Universität lehrende Lars Olof Larsson auf die neugeschaffene C4–Professur berufen. Der 1938 in Västerås geborene Schwede hatte sich seit seiner Dissertation über Adrian de Vries (2) aus dem Jahre 1967 mit der italienischen und mitteleuropäischen Plastik des 16. und 17. Jahrhunderts beschäftigt. 1974 folgte seine Untersuchung »Von allen Seiten gleich schön« (3), in der er das Verhältnis von zeitgenössischer Sehweise und bildhauerischer Konzeption der Skulpturen zu rekonstruieren versucht. Weitere Schwerpunkte seiner Forschungen vor der Kieler Berufung bildeten die Auseinandersetzung mit der skandinavischen Kunst sowie die Architektur und Städteplanung des 20. Jahrhunderts. Internationale Anerkennung fand die 1978 erschienene Publikation »Die Neugestaltung der Reichshauptstadt. Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin« (4).

Die zusammen mit der neuen Professur eingerichtete Assistenz wurde 1981 mit Wolf Tegethoff besetzt. Er hatte 1980 bei Christoph Luitpold Frommel in Bonn sein Studium mit einer Dissertation über »Die Villen und Landhausprojekte Mies van der Rohes« (5) abgeschlossen. Auf die Assistentenstelle von Bernhard Schütz (6) folgte Barbara Camilla Tucholski, die, nachdem sie zuvor an der Düsseldorfer Akademie bei Joseph Beuys ein Studium der Bildenden Kunst absolviert hatte, ebenfalls in Bonn promoviert worden war (7).

Als Nachfolger Reiner Haussherrs kehrte 1982 Frank Büttner nach Kiel zurück, wo er bereits von 1971 bis 1974 als Assistent gewirkt hatte. Zu seinem Interesse an der italienischen Barockkunst – so schon in seiner 1971 abgeschlossenen Dissertation (8) – war inzwischen die Beschäftigung mit der Kunst und der Kunsttheorie von Klassizismus und Romantik getreten. 1977 hatte er sich mit »Studien zum frühen und mittleren Werk von Peter Cornelius« (9)habilitiert.

Nachdem sich das Institut auch räum-lich mit dem Umzug in das Gebäude am Westring (Wilhelm-Seelig-Platz) der personellen Erweiterung angepaßt hatte, beschloß die Neubesetzung der Assistentenstelle Eberhard Königs durch Uwe Albrecht die zweijährige Umbruchsphase. Der gebürtige Kieler, der sich schon als Schüler mit der hiesigen Stadtgeschichte auseinandergesetzt hatte, war nach seinem Studium in Kiel, Poitiers und Frankfurt 1982 in Frankfurt promoviert worden (10).

Damit hatte sich binnen zweier Jahre das wissenschaftliche Profil des Kieler Instituts grundlegend gewandelt. Die Mittelalterforschung, die seit Gründung des Kieler Lehrstuhls einen festen Bestandteil von Lehre und Forschung gebildet und durch Reiner Haussherr und Dethard v. Winterfeld (11) eine Neuformierung und Vertiefung erfahren hatte, trat zurück. Nun rückten Themen der italienischen Kunstgeschichte in den Mittelpunkt. So bot Lars Olof Larsson Vorlesungen und Seminare zur italienischen Plastik des 15. und 16. Jahrhunderts an, und Frank Büttner las zur venezianischen Malerei des Cinquecento, während er sich in Seminaren auch mit der Kunst Giottos beschäftigte. Die Architektur der Hochrenaissance wurde von Wolf Tegethoff in Proseminaren behandelt, Exkursionen führten u.a. nach Assisi, Padua und Florenz. Dazu kam das 19. Jahrhundert: Büttner zur deutschen Malerei, Larsson über Stadtentwicklung, Tegethoff zu Schinkel und Tucholski zur Malerei der Jahrhundertwende. Der »Schwerpunkt Mittelalter« wurde zunächst noch durch Dethard v. Winterfeld fortgeführt, um gleichzeitig in den Veranstaltungen Albrechts durch Aspekte norddeutscher Kunst ergänzt zu werden. In besonderer Weise bereichert wurde das Lehrangebot durch Wolfgang J. Müller, der nach seiner Emeritierung im Jahre 1979 bis zu seinem Tode 1992 weiterhin Vorlesungen und »Kollegs« abhielt. Er konzentrierte sich auf die europäische Kunst des 17. Jahrhunderts, behandelte aber auch Themen wie die »Malerei in Rußland 1750–1920« oder »Deutsche Grabdenkmäler 11.–17. Jahrhundert«. »Man möchte fast meinen« – unvergleichbar in seinen Formulierungen, bemerkenswert in seinem Einsatz für studentische Belange, lebendig in seinen Vorlesungen, immer zum Gespräch bereit, prägte er das Institut auf eine im guten Sinne altmodische Weise, die allen, die ihn kannten, unvergeßlich bleiben wird.

Nach der Berufung v. Winterfelds auf den Mainzer Lehrstuhl für Kunstgeschichte zum Sommersemester 1984 blieb seine Stelle für drei Semester vakant. Zum 1. Oktober 1985 wurde Adrian von Buttlar sein Nachfolger. Der damals 37jährige hatte in München und London studiert und 1977 sein Studium mit einer Arbeit »Der englische Landsitz 1715–1760. Symbol eines liberalen Weltentwurfes« (12) abgeschlossen. Zu weiteren Untersuchungen zum Verhältnis von Architektur und Landschaftskunst im 18. Jahrhundert war während seiner Assistentenzeit an der Münchener Universität das Interesse an der Architektur des Klassizismus getreten; 1984 hatte er sich über Leo von Klenze habilitiert (13).

Von Buttlar fand in Kiel ein Institut vor, dessen stetig wachsende Studierendenzahl zunehmend zur Belastung wurde. Ab 1984 wurde für Erstsemester der Besuch von Einführungen in das Studium der Architektur und der Bildkünste zur Pflicht. Übungen, aber auch Proseminare wurden verstärkt an Lehrbeauftragte delegiert. Indes bedeutete dies auch eine Bereicherung. Als Vertreter aus Denkmalpflege oder Museum konnten sie nicht nur das Lehrangebot in thematischer Hinsicht erweitern, sondern den Studierenden durch ihren Praxisbezug auch ganz andere Sichtweisen vermitteln. So thematisierten Hartwig Beseler, Andreas Billert, Johannes Habich, Heiko Schulze und Wolfgang Teuchert Fragen der heimischen Baugeschichte aus denkmalpflegerischer Sicht, während die Museumspraxis durch Holger Behling, Gerhard Gerkens, Jens Christian Jensen, Hermann Mildenberger, Knut Nievers, Ulrich Pietsch, Christian Rathke und Thorsten Rodiek repräsentiert wurde. Aspekte der Museumspädagogik wurden in den Veranstaltungen von Dietrich Bieber, Ruth Greipel und Marlene Lauter beleuchtet. Ursula König-Nordhoff behandelte Malerei und Grafik des Barock, Gesa Rautenberg ergänzte das Lehrangebot um den Bereich der Filmanalyse. Schließlich Henning Höppner: Unvergleichlich und unermüdlich bietet er seit 1984 Seminare aus dem gesamten Spektrum der Kunstgeschichte an.

In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre trat zu den oben skizziertenThemen – Italien bzw. das 19. Jahrhundert in Malerei und Städtebau – bei Frank Büttner die Malerei des 18. und bei Lars Olof Larsson die höfische Kunst des 17. Jahrhunderts. Adrian von Buttlar begann seine Lehrtätigkeit mit Vorlesungen und Seminaren zur Architektur des Klassizismus und Historismus. Die Assistenten Wolf Tegethoff und Barbara Camilla Tucholski thematisierten Grundlagen und Entwicklungslinien der modernen Kunst in Architektur bzw. Malerei, während die mediävale Architektur nach dem Fortgang v. Winterfelds allein durch Uwe Albrecht vermittelt wurde.

Indes beschränkte sich das Institut nicht auf die gängigen Themen der ‚großen' Kunstgeschichte, der Blick richtete sich auch auf Regionales und vermeintlich Peripheres. Die drei klassischen Bereiche schleswig-holsteinischer Kunstgeschichte: Backsteingotik, mittelalterliche Holzskulptur sowie die Gutsanlagen und Herrenhäuser wurden nicht nur wieder aufgegriffen, sondern auch inhaltlich und methodisch neu gefaßt. Entgegen einer ausschließlichen Rückführung heimischer Phänomene auf die europäischen Kunstzentren entwickelte sich ein Verständnis, daß die aktive Rezeption auswärtiger Einflüsse nun als eigenständigen Prozeß künstlerischen Handelns begreift. Dieser Paradigmenwechsel rückte eine Region in den Vordergrund, die bislang kaum als gemeinsamer Kulturraum begriffen wurde: Das Baltikum. So stand die Interdependenz und Eigenständigkeit kultureller und künstlerischer Strömungen in Skandinavien und auf dem Kontinent mehrfach im Blick von Tagungen, etwa im Rahmen der »Homburger Gespräche« zu »Austausch und Verbindungen in der Kunstgeschichte des Ostseeraums« und zur »Kunst und Geschichte im Ostseeraum« oder eines Symposiums zu den Gutsanlagen des 16. bis 19. Jahrhunderts. (14) Aber auch die Lehre profitierte unmittelbar von diesem Verständnis. Bereits 1985 veranstaltete Larsson gemeinsam mit dem Historiker Hain Rebas ein Hauptseminar über »Gotland im Mittelalter«, Exkursionen führten wiederholt nach Skandinavien, aber auch nach Estland und Polen.

Weitere interdisziplinäre Kolloquien wurden mit dem Musikwissenschaftlichen Institut zu »Fest und Repräsentation in Versailles zur Zeit Ludwig XIV.« (WS 1985/86) und zum »Historismus in der Musik- und Kunstgeschichte« (WS 1987/88) sowie mit der Fachhochschule für Gestaltung zu »Tendenzen in der Architektur der Gegenwart« (WS 1986/87) gehalten.

Über den engeren Seminarbetrieb hinaus wurden verschiedene Ausstellungsprojekte durchgeführt. Sie eröffneten den Studierenden die Möglichkeit, eigene Forschungsarbeit zu leisten und die Museumspraxis kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit dem Volkskundler Kai Detlev Sievers veranstaltete Lars Olof Larsson eine Übung »Bauen und Wohnen in der Großstadt« (WS 1985/86), an die sich eine Ausstellung im Kieler Stadtmuseum anschloß (15). Im Rahmen eines Hauptseminars Frank Büttners wurde 1985/86 der umfangreiche Bestand von Radierungen Bernhard Rodes in der Kieler Kunsthalle katalogisiert und eine Ausstellung vorbereitet (16); ein ähnliches Projekt veranstaltete er 1990/91 zur italienischen Graphik des 15. und 16. Jahrhunderts (17).

1987 verließ Wolf Tegethoff Kiel, um stellvertretender Direktor, später Direktor des Zentralinstitutes für Kunstgeschichte in München zu werden – übrigens ein schöner Beweis für den guten Ruf der Kieler Wissenschaft. Sein Nachfolger wurde Henrik Karge, der 1986 in Mainz über die Kathedrale von Burgos promoviert worden war (18). Karges Interesse an der Kunst der Iberischen Halbinsel spiegelte und spiegelt sich in verschiedenen Projekten und Seminaren – nicht nur zur mittelalterlichen Architektur, sondern auch zur Kunst des Goldenen Zeitalters, zum 19. und zum frühen 20. Jahrhundert (19). Darüber hinaus widmet er sich Fragen der Architektur und der Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts, zuletzt in seiner 1993 eingereichten Habilitationsschrift.

Über die Naturalismusrezeption im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts war Barbara Lange 1986 in Bonn promoviert worden (20). Nach einer Tätigkeit als wissenschaftliche Volontärin am dortigen Rheinischen Landesmuseum kam sie 1989 für Barbara Camilla Tucholski nach Kiel. Wie ihre Vorgängerin befaßt sie sich in ihren Seminaren mit der Malerei des späten 19. und des 20. Jahrhunderts bis hinein in die Gegenwart – Gebiete, die es ihr in Kiel ermöglichen, mit den Studierenden vor Originalen zu arbeiten. Neben weiteren Arbeitsgebieten aus der älteren Kunstgeschichte gilt ihr besonderes Interesse methodischen Fragen der Frauenforschung als auch der Analyse der kul- turellen Stellung von Künstlerinnen oder Auftraggeberinnen zur Zeit des Barock (21). Barbara Camilla Tucholski, die über die Jahre hinweg künstlerisch tätig geblieben war und ihr Können auch den Studierenden in Übungen zu künstlerischen Techniken zur Verfügung gestellt hatte, ist inzwischen als Professorin an der hiesigen Pädagogischen Hochschule tätig.

Personelle Veränderungen ergaben sich auch im nichtwissenschaftlichen Bereich. Die langjährige Photographin Gertrud Doose ging 1988 in den Ruhestand; Ursula Langer, seit 1969 Sekretärin und guter Geist des Instituts, wurde 1992 verabschiedet. Ihnen folgten Annette Henning und Sabine Lemke.

Damit haben wir die jüngste Zeit erreicht. In Folge der Öffnung Osteuropas wurden die bereits früh geknüpften Kontakte zu Polen und den baltischen Staaten intensiviert. Nach den Exkursionen des Kunsthistorischen Instituts nach Tallinn (1984) und Poznan (1987) konnten nun Gegenbesuche erfolgen, die 1989 und 1990 polnische bzw. estnische Studierende nach Schleswig-Holstein führten. Eben-falls 1990 bereiste eine Kieler Gruppe gemeinsam mit Studierenden der Partneruniversität Poznan die polnische Ostseeküste, nachdem der Leiter des dortigen Instituts, Konstanty Kalinowski, im Sommersemester eine Gastprofessur in Kiel wahrgenommen hatte.

Die Lehre dieser Jahre wurde bereichert durch Gastprofessoren. In Vertretung Frank Büttners, der ein Stipendium der VW-Stiftung für die Fortsetzung seiner Cornelius-Studien nutzte, las im Wintersemester 1989/90 Ulrich Kuder über »Die Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei«, im Sommer dann der bereits genannte Konstanty Kalinowski zur »Polnischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts«. Lars Olof Larsson nahm im Wintersemester 1991/92 und im Sommersemester 1992 ein Forschungsstipendium am »Netherlands Institute for Advanced Study« (NIAS) in Wassenaar in Anspruch – ein Aufenthalt, der in verschiedenen Lehrveranstaltungen zur niederländischen Kunstgeschichte seine Fortsetzung finden sollte. Für ihn kam zunächst Ulrich Finke («Amerikanische Photographie«), dann Stephan Muthesius. Muthesius, der wie Finke in England lehrt, konnte mit seiner Vorlesung »Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts in England« an eine Folge von Veranstaltungen des Kieler Institutes anschließen, in denen Adrian von Buttlar und der 1989 habilitierte (22) Uwe Albrecht die Kunst Großbritanniens thematisiert hatten.

Aus der Fülle der zur Zeit verfolgten Forschungsprojekte, so etwa Frank Büttners grundlegende Betrachtungen über den Zusammenhang von bildender Kunst und Rhetorik (23) oder Lars Olof Larssons Untersuchungen der Bronzeplastik Adrian de Vries' im Schloßpark von Drottningholm (24), seien nur diejenigen exemplarisch herausgegriffen, die in besonderer Weise die oben angesprochene Neubewertung regionaler Kunst verfolgen. Ein bereits seit 1985 um Uwe Albrecht tätiger »Arbeitskreis zur Erforschung der mittelalterlichen Holzskulptur Schleswig-Holsteins« mündete 1990 in ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt, das den Gesamtbestand der etwa 1200 erhaltenen mittelalterlichen Holzbildwerke des Landes nach modernen methodischen Gesichtspunkten einheitlich erfassen und in einem auf drei Bände angelegten Spezialinventar vorlegen will. (25) Ein zweites Forschungsprojekt unter der Leitung Adrian von Buttlars beschäftigt sich mit der Bestandsaufnahme historischer Gärten und Gutslandschaften in Schleswig-Holstein. Das vom Schleswig-Holsteinischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützte und in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege betriebene Vorhaben wird von der Gartendenkmalpflegerin Margita Meyer betreut. Inzwischen sind eine Reihe von Magisterarbeiten daraus erwachsen (26).

Die sich hier andeutende enge Verzahnung von Forschung und Lehre ist jedoch die Ausnahme. Ein persönliches Verhältnis von Lehrenden und Lernenden, wie es noch in den siebziger Jahren die Regel war, scheint unter dem Druck der rapide gestiegenen Studierendenzahlen kaum mehr vorstellbar. Gegenüber den 56 Hauptfachstudierenden im Wintersemester 1974/75 hatte sich die Zahl bis 1987 annähernd verzehnfacht (548 Haupt-, dazu 258 Nebenfächler). Auf diese dramatische Entwicklung mußte reagiert werden: Überfüllte Seminare in beengten Räumen, Überlastung von Bibliothek und Diathek, anonyme Studienbedingungen und überforderte Professoren zwangen das Kieler Institut – als eines der letzten in Deutschland – schließlich zu einer Zulassungsbeschränkung (27). Doch konnte die Wirkung einer solchen, letztlich restriktiv und keineswegs aus den Bedürfnissen des Faches entwikkelten Maßnahme nur vordergründig bleiben. Der tatsächlichen und im Seminarbetrieb auch spürbaren Verringerung der Studierendenzahlen (1992/93: 735, davon 413 im Hauptfach) steht eine zunehmend schlechtere Betreuungssituation im Bereich der Studienabschlüsse gegenüber. Nicht zuletzt deshalb wurde der Magistergrad – bis 1987 kaum angestrebt – zum Regelabschluß. Eine Studienzeitverkürzung bedeutet er nicht: Weder wird der Magister als Berufsqualifikation akzeptiert, noch erleichtert er die Promotion (28). Daß trotz dieser drängenden Probleme der Institutsbetrieb überhaupt aufrechterhalten werden konnte, liegt im hohen persönlichen Engagement der Lehrenden begründet, die dafür eigene Forschungen zurückstellen.

100 Jahre Institutsgeschichte belegen, daß Kontinuität, ein breites Lehrangebot, aber auch ein intaktes Miteinander keineswegs selbstverständlich sind. Sie erscheinen gefährdet. Nicht nur, weil eine rigorose Sparpolitik die Forschungsfähigkeit schon jetzt gefährlich einschränkt und weil vermeintliche Strukturreformen den fachlichen Horizont zu verengen drohen – vor allem leugnen vorschnelle Forderungen nach Effizienz und Verwertbarkeit der »Ausbildung« die gesellschaftliche Aufgabe des Faches: Bildung zu jener selbständigen Erkenntnis, die allein einen kritischen Umgang mit Geschichte und eine verantwortungsvolle Vermittlung von Kunst verbürgt.


Anmerkungen

1) Der vorliegende Aufsatz stützt sich im wesentlichen auf die unregelmäßig in der Halbjahresschrift der Christian-Albrechts-Universität, Christiana Albertina, erscheinenden Forschungsberichte des Kunsthistorischen Instituts sowie die Exkursions- und Vorlesungsverzeichnisse, die institutsintern gesammelt werden. Eine knappe Darstellung des gegenwärtigen Instituts gibt Uwe Albrecht, Kunsthistorisches Institut der Universität Kiel, in: AKK. Architektur, Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland 2/93, S. 70–75.

2) Lars Olof Larsson, Adrian de Vries. Adrianus Fries Hagiensis Batavus 1545–1626, Wien/München/Frankfurt a. M. 1967.

3) Ders., Von allen Seiten gleich schön. Studien zum Begriff der Vielansichtigkeit in der europäischen Plastik von der Renaissance bis zum Klassizismus, Stockholm 1974 (= Acta Universitatis Stockholmiensis, Stockholm Studies in the History of Art, Bd. 26).

4) Ders., Die Neugestaltung der Reichshauptstadt. Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin, Stockholm 1978 (= Acta Universitatis Stockholmiensis, Stockholm Studies in the History of Art, Bd. 29).

5) Wolf Tegethoff, Mies van der Rohe. Die Villen und Landhausprojekte, Essen 1981.

6) Der als Assistent Erich Hubalas nach Kiel gekommene Schütz hatte sich 1977 über »Die Katharinenkirche in Oppenheim« (publ. Berlin/New York 1982) habilitiert und war 1981 zum Professor C2 ernannt worden. Nach Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt und München nahm er zum Sommersemester 1982 einen Ruf an die Münchener Universität an.

7) Barbara Camilla Tucholski, Friedrich Wilhelm von Schadow 1789–1862. Künstlerische Konzeption und poetische Malerei, Phil. Diss. Bonn 1980.

8) Frank Büttner, Die Galleria Riccardiana in Florenz, Bern/Frankfurt a.M. 1972 (= Kieler Kunsthistorische Studien Bd. 2).

9) Ders., Peter Cornelius. Die Fresken und Freskenprojekte, Bd. 1, Wiesbaden 1980.

10) Uwe Albrecht, Von der Burg zum Schloß. Französische Schloßbaukunst im Spätmittelalter, Worms 1986.

11) 1979 über den Bamberger Dom habilitiert, war er 1980 aus Heidelberg nach Kiel berufen worden.

12) Adrian von Buttlar, Der englische Landsitz 1715–1760. Symbol eines liberalen Weltentwurfes, Mittenwald 1982 (= Münchner Universitätsschriften. Philosophische Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften. Studia Iconologica Bd. 6, hrsg. von Friedrich Piel und Hermann Bauer).

13) Publikation in Vorbereitung.

14) Die »Homburger Gespräche« werden veranstaltet von der Martin-Carl-Adolf-Böckler-Stiftung, deren Vorsitzender Lars Olof Larsson ist. Die Tagungsbeiträge sind erschienen als Bd. 9 (Kiel 1988) bzw. als Bd. 12 (Kiel 1990) der »Homburger Gespräche«. Die vom deutschen Nationalkomitee von ICOMOS gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Institut, dem Schleswig-Holsteinischen Landesamt für Denkmalpflege und der Akademie Sankelmark veranstaltete Tagung zu den »Gutsanlagen des 16. bis 19. Jahrhunderts im Ostseeraum« erschien als Bd. II der Hefte des deutschen Nationalkomitees ICOMOS, München o.J. (1990).

15) Jürgen Jensen, Lars Olof Larsson und Kai Detlev Sievers (Hrsg.), Großstadt Kiel. Bauen und Wohnen um die Jahrhundertwende, Ausst. Kat. Kiel 1986.

16) Kunst im Dienste der Aufklärung. Radierungen von Bernhard Rode 1725–1797, Ausst. Kat. Kiel 1986.

17) Bilderwelten der Renaissance. Italienische Graphik des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem Besitz der Kunsthalle zu Kiel, Ausst. Kat. Kiel 1992.

18) Henrik Karge, Die Kathedrale von Burgos und die spanische Architektur des 13. Jahrhunderts. Französische Hochgotik in Kastillien und León, Berlin 1989.

19) Ein Proseminar mit anschließender Übung und Exkursion mündete in einer gemeinsam mit Arbeitsgruppen der Kunsthistorischen Institute der Technischen Universität Berlin und der Universität Marburg konzipierten Ausstellung Barcelona – Tradition und Moderne. Ein gleichnamiger Katalogband erschien 1992 in Marburg.

20) Barbara Lange, Naturalismusrezeption im ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland. Eine exemplarische Untersuchung anhand der Zeitschrift »Kunst für Alle«, Bonn 1987 (Phil. Diss. Bonn 1986).

21) Dies., Artemisia als Vorbild. Zum kulturellen Stellenwert des herrschaftlichen Witwensitzes um 1700, in: Dies., Sabine Leßmann und Barbara Mikuda-Hüttel (Hrsg.), Kontinuitäten und Brüche. Weiblichkeitsentwürfe in der Kunst um 1700 (im Druck, erscheint 1994).

22) Uwe Albrecht, Der Adelssitz im Mittelalter. Studien zum Verhältnis von Architektur und Lebensform im Nord- und Westeuropa, München 1994 (im Druck).

23) So z.B. Frank Büttner, Rhetorik und barocke Deckenmalerei. Überlegungen am Beispiel von Johann Zicks Fresken in Bruchsal, in: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 43/1989, S. 49–72.

24) In Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum und der Zentralen Denkmalbehörde in Stockholm.

25) Vgl. Uwe Albrecht und Jan von Bonsdorff, Mittelalterliche Holzskulptur in Schleswig-Holstein – ein Forschungsprojekt, in: Christiana Albertina N.F. 37/1993, S. 19–39. Teilaspekte werden durch Dissertationen bearbeitet.

26) Eine umfassende Buchpublikation ist in Vorbereitung. Die Forschungen schließen an die langjährige Beschäftigung von Buttlars mit Problemen der Gartenkunst an: Vgl. seine grundlegende Darstellung Der Landschaftsgarten. Gartenkunst des Klassizismus und der Romantik, 2. Auflage Köln 1989.

27) Seit dem Wintersemester 1988/89 werden Studienanfänger nur noch zum Wintersemester aufgenommen, ihre Zahl ist derzeit auf 60 beschränkt.

28) So verlangt die Kieler Prüfungsordnung auch für Magister in der Promotion ein vollständiges, auch die Nebenfächer umfassendes zweites Rigorosum.

 

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Termine

Öffnungszeiten der Bibliothek um Weihnachten und zum Jahreswechsel

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Die Fachbibliothek des Kunsthistorischen Instituts hat am 21. & 22.12.17 verkürzt von 10-14 Uhr geöffnet. Vom 27.12.17 bis einschließlich 5.1.18 bleibt die Bibliothek geschlossen. Ab dem 8.1.18 gelten wieder die regulären Öffnungszeiten.

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Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Eva Sturm (Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg) am 15. Dezember 2017 von 14 bis 16 Uhr im Audimax, Hörsaal A, CAP2, 24118 Kiel (Im Rahmen des PerLe-Projektes Bild und Sprache – Sprache und Bild)
Studierende der Fäche Kunstgeschichte und Kunst, Profil Lehramt können sich den Vortrag als Gastvortrag anrechnen lassen. Nähere Informationen

'Nolde und die Brücke' in der Kunsthalle zu Kiel

vortragDer Künstler Daniel Richter über Emil Nolde (Mi, 17.01.2018, 18 Uhr)
Dr. Annette Weisner & Grafikerin Johanna Benz über die Ausstellung Nolde und die Brücke (Mi, 14.03.2018, 18 Uhr) Studierende der Fächer Kunstgeschichte und Kunst, Profil Lehramt können sich den Vortrag als Gastvortrag anrechnen lassen. Um Anmeldung bis Freitag, den 17.01.2018 unter presse@kunsthalle-kiel.de wird gebeten – für angemeldete Studierende ist der Eintritt kostenlos (ansonsten 3 Euro). Bitte erscheinen Sie bis spätestens 17:45 Uhr, um einen Sitzplatz zu erhalten.

'Die spätantike Visionserwartung und das Nachleben der Visionsbilder in Byzanz'

vortrag
Dr. Armin Bergmeier (Universität Leipzig) spricht am 18. Januar 2018, 19 Uhr c.t. im Hörsaal (R.214) des Kunsthistorischen Instituts (Wilhelm-Seelig-Platz 2) über 'Die spätantike Visionserwartung und das Nachleben der Visionsbilder in Byzanz'. Studierende der Fächer Kunstgeschichte und Kunst, Profil Lehramt können sich den Vortrag als Gastvortrag anrechnen lassen.

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Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
 
Save the Date: 26.01.2018 - 9.30 Uhr - 16.00 Uhr
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