Studiobühne / Sechseckbau

Bauzeit 1963-66 / Westring 385

Das kreative Zentrum der Universität Kiel ist unbestreitbar der sogenannte Sechseckbau. Und das war er von Anfang an: Der Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer wollte mit dem Verbund von Mensa, Studentenhaus und der Studiobühne hier einen „Erlebnisbereich studentischer Gemeinschaft“ bilden. Ganz im Sinne der Braunschweiger Schule der Architektur, deren führender Kopf Kraemer war, realisierte er den Komplex unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit, stets unter Berücksichtigung der drei programmatischen Säulen Funktion, Konstruktion und Form. Den Sechseckbau dachte er sich dabei als „universellen Einraum“ der verschiedenen künstlerischen Disziplinen. So eignet sich der helle untere, verglaste Teil als Ausstellungsraum und im Geschoss darüber finden Theatervorführungen studentischer Initiativen statt. Darüber hinaus wird der Bau für Lesungen, Workshops und Kulturveranstaltungen genutzt.

Die Verzierung der Außenwand mit Aluminiumscheiben, die als Metallschleier in unregelmäßiger Verteilung in einem dynamischen Band die Fassade umlaufen, sollen mit ihrem lebhaften Spiel von Licht und Schatten auf die „magische Verwandlung“ im Inneren hinweisen. Mit dieser puristischen Ästhetik repräsentiert die Wandgestaltung Kernelemente der zeitgleichen Kunstbewegung ZERO, deren Werke sich zwischen Bild und Skulptur ansiedeln und wie am Sechseckbau die Wirkungen von Oberflächen in Zusammenspiel mit Licht erproben.

Der Bau ist über eine Brücke mit der Mensa verbunden, expandiert mit seiner Grundform aber ebenfalls in  die umliegenden Beete, die ebenfalls eine Wabenform besitzen, ja bis hin zum Audimax, dem ebenfalls ein Hexagon zu Grunde liegt. Damit signalisiert der Campus eine synergetische Zusammengehörigkeit aller Facetten des studentischen Lebens wie ein demokratischer Bienenstock, in welchem auch die Kunst ihren Platz haben muss.

Autor
Nikolai Ziemer

 

Literatur

Minta,  Anna/ Matthies, Jörg: Die architektonische Entwicklung der Universität Kiel nach 1945: Vom ungenutzten Industriequartier zum modernen Universitätsforum, in: Architektur für Forschung und Lehre. Universität als Bauaufgabe, hg. v. Klaus Gereon Beuckers, (= Kieler Kunsthistorische Schriften N.F., Bd. 1), Kiel 2010,  S. 355-386.

Hansen, Astrid / Meyer, Nils: Universität als Denkmal. Der Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, (= Beiträge zur Denkmalpflege in Schleswig-Holstein, Bd. 1), Kiel 2011, S. 145-146.

Beuckers, Klaus Gereon: Gebaute Bildungspolitik. Die architektonische Entwicklung der CAU, in: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt, hg. v. Oliver Auge, Kiel 2015, S. 175-215.

Bildnachweis
Jürgen Haacks / Uni Kiel