Forschungen zu Wolf Vostell und der Aktionskunst der 1950/60er Jahre

Wolf Vostell (1932-1998) gehört zu den wichtigsten deutschen Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er hat wie kaum ein anderer Künstler den Werdegang der Bonner Republik begleitet und in seiner stets internationalen Ausrichtung wesentlich zur künstlerischen Identität der Avantgarde der 1950er bis 1980er Jahre beigetragen. Seine Decollagen gehörten zu den prägnantesten Zeugnissen eines neuen Realismus in den 1950er Jahren, seine Aktionskunst begründeten die europäische Fluxusszene mit und führte mit dem Happening eine in Europa neue Form der Partizipation des Betrachters ein, die den konzertanten Rahmen der bisherigen Aktionskunst verließ und den Betrachter zum Akteur machte. Als er seit 1958 Fernseher in seine Collagen integrierte, um die Möglichkeit einer gleichzeitigen Konfrontation verschiedener Darstellungsebenen als zwei mediale Realitäten zueinander in Bezug zu setzen, öffnete er als einer der ersten Künstler überhaupt die Tür zur Video- und Medienkunst.

 Das Kunsthistorische Institut der Christian-Albrechts-Universität widmet sich in einem Forschungsprojekt dem Werk von Wolf Vostell und seinem Umkreis. Als erstes Teilprojekt fand im Dezember 2011 in Kiel eine Tagung über die Kunst von Wolf Vostell statt. Die Beiträge liegen inszwischen als Aufsatzband veröffentlich vor (s.u.). Ein zweites Teilprojekt widmete sich in Zusammenarbeit mit dem Literatur- und Medienwissenschaftler Hans-Edwin Friedrich den Eigentexten von Wolf Vostell als Künstlermanifesten. Der Band ist 2014 erschienen (s.u.). Weitere Forschungen im Rahmen eines wissenschaftlichen Tagungsbandes zum aktuellen Büchner-Preisträger Jürgen Becker, der 1965 zusammen mit Wolf Vostell eine epochale Zusammenstellung der Aktionskunst vorgelegt hat, sind 2014 erschienen [u.a. Klaus Gereon BEUCKERS: ‚dé-coll/age ist mobile collage‘. Statik, Dynamik und Zeit bei Wolf Vostell, in: Fluxus und/als Literatur. Zum Werk Jürgen Beckers, hg. v. Anne-Rose Meyer-Eisenhut und Burkhard Meyer-Sickendiek (neoAvantgarden, Bd. 4), München 2014, S. 3-14. ]. Das Projekt ist damit vorerst abgeschlossen.