Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Veitskapelle von Stuttgart-Mühlhausen

Zwei Studenten und eine Tasse KaffeeDie Veitskapelle im heutigen Stuttgarter Stadtteil Mühlhausen wurde im Jahre 1380 im Auftrag des Prager Bürgers Reinhart von Mühlhausen begonnen. Der Kirchenbau selbst ist nahezu vollständig in seiner ursprünglichen Form erhalten und besitzt aus der Erbauungszeit und den Jahrzehnten danach eine besonders qualitätvolle und zudem weitgehend bewahrt gebliebene Ausmalung.

Trotz ihres im Ganzen sehr guten Erhaltungszustandes und ihrer einzigartigen Stellung sind die Wandmalereien in der bisherigen Forschung meist nur erwähnt, bis auf eine Dissertation von Ulrike Claviez aus dem Jahre 1976 aber noch nicht eingehend kunsthistorisch untersucht worden. Aus Anlass einer umfassenden Restaurierung und Sanierung des Kirchenbaus und seiner Ausstattung unter Federführung des Landesamtes für Denkmalpflege in Baden-Württemberg bot sich nun die Möglichkeit, die Wandmalereien während und nach Durchführung restauratorischer Maßnahmen aus der Nähe zu untersuchen und ihre kunsthistorische Zuordnung zu überprüfen.

Das vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg finanzierte Forschungsprojekt zur kunsthistorischen Untersuchung der Wandmalerei ist unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Gereon Beuckers am Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel angebunden, wo in den letzten Jahren bereits mehrfach Forschungen zur mittelalterlichen Malerei in Baden-Württemberg stattgefunden haben. Die Bearbeitung liegt in den Händen von Inga Falkenberg M.A. und Ute Fessmann M.A., beides Doktoranten am Kieler Institut.

PatronDie inschriftlich auf 1428 datierten, sehr gut erhaltenen Wandmalereien im Chor von Mühlhausen zeigen in den oberen Registern eine Weltgerichtsdarstellung auf der Westwand und eine Marienkrönung im Zentrum des Gewölbes, die von den geflügelten Evangelistensymbolen in Gegenüberstellung zu Kirchenvätern umgeben wird, sowie fünf Szenen aus dem Marienleben. Die unteren Register widmen sich dem Leben des Kirchenpatrons Veit. Die ausführende Werkstatt verarbeitete verschiedene Vorlagen insbesondere westlicher Malerei und regionale Stileinflüsse.

Im Langhaus haben die Wandmalereien stark unter Witterungseinflüssen und früheren Sicherungen gelitten. Die Triumphbogenwand trägt ganzfigurige Darstellungen von Aposteln und Propheten, die zu einer ersten Ausmalungsphase direkt nach der Baufertigstellung gehören. Traditionell werden sie in den böhmischen oder direkt von Böhmen beeinflussten Kunstkreis eingeordnet, was in dem Forschungsprojekt u hinterfragen ist.

 

HochzeitVollflächig sind die Wände des Langhauses mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament ausgemalt, die jedoch besonders an der West- und Nordwand große Fehlstellen aufweisen. In seltener Weise sind hier noch erhebliche Partien mit originalen Oberflächen einer höchst qualitätvollen Ausmalung erhalten, die erst im Zuge der derzeitigen Maßnahmen angemessen gewürdigt werden konnten. Zeitgleich oder in unmittelbarem Umfeld der Chorausmalung wurde hier eine andere Werkstatt als im Chor tätig, die wohl aus dem schwäbischen Umkreis stammte. Ihre Einordnung auf einer breiten, fundierten Grundlage wird durch das Projekt erarbeitet. Gleiches gilt für die der Einzeldarstellungen unterhalb der Altarbaldachine an der Triumphbogenwand des Langhauses, die bisher von der Forschung unbeachtet sind.

Die Ergebnisse des Projektes werden im Zuge der Publikation der Gesamtmaßnahme durch das Landesamt für Denkmalpflege eröffentlicht werden.

 

Abb. 1.: Veitskapelle Stuttgart-Mühlhausen, Ausschnitt Wandmalerei Langhaus-Ost, Prophet, 1385 - 1400.
Abb. 2.: Veitskapelle Stuttgart-Mühlhausen, Ausschnitt Wandmalerei Chor-Süd, der Kirchenpatron Veit im Ölkessel.
Abb. 3.: Veitskapelle Stuttgart-Mühlhausen, Ausschnitt Wandmalerei Langhaus-Süd, Hochzeit zu Kana.