Mittelalterliche Wandmalerei zwischen Rhein, Neckar und Enz

In den Kirchen zwischen Rhein, Neckar und Enz hat sich eine überraschende Fülle mittelalterlicher Wandmalereien von teilweise bemerkenswerter Qualität erhalten. Die ältesten Ensemble wie die bedeutenden Malereien im Chor von Lobenfeld datieren aus dem 13. Jahrhundert, stehen jedoch im erhaltenen Denkmälerbestand noch vereinzelt. Ab der Wende zum 14. Jahrhundert sind zahlreiche Ausmalungen erhalten; in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird ein Höhepunkt erreicht, bevor mit dem Einsetzen der Reformationswirren keine Ausmalungen mehr entstanden.

Seit dem Spätmittelalter wird die Region zwischen Rhein, Neckar und Enz in den Kraichgau, den Stromberg und den (nördlichen) Elsenzgau unterteilt. Bis zum Aussterben der Grafen von Kraichgau im 12. Jahrhundert bildete sie jedoch eine zusammengehörige Herrschaft mit dem Zentrum Sinsheim. Die ursprünglich ebenso geschlossene kirchliche Zugehörigkeit zum Bistum Worms wurde durch zunehmende Aufwertung des Bistums Speyer im Rechtsrheinischen ebenfalls seit dem 12. Jahrhundert heterogener, bis nach der Formierung Württembergs Einflüsse des Bistums Konstanz hinzukamen. Das Land war in eine Fülle von Kleinherrschaften mit sehr wenigen städtischen Zentren in den Randlagen an den Flüssen zerteilt. Trotz dieser Zersplitterung, die durch die Fürsten der Kurpfalz, Badens und Württembergs insbesondere seit der Reformation noch verstärkt wurde, und trotz der über die Wassergrenzen hinweg bestehenden engen Bande in benachbarte Landschaften, hat die Region bis zum Ende des Mittelalters eine gewisse Geschlossenheit bewahrt.

Aus diesen Kleinherrschaften heraus sind die meisten mittelalterlichen Wandmalereien der Region entstanden. Sie gehören zum Teil zu Ausgestaltungen von Grablegen in Burgkapellen oder Pfarrkirchen, dokumentieren besitzrechtliche Ansprüche auch geistlicher Herrschaften oder repräsentieren beispielsweise in den Stadtkirchen führende, zum Teil auch überregional bedeutende Geschlechter bis hin zum Kaiserhaus. Dies zeigt sich insbesondere im 15. Jahrhundert in einer Fülle von Stifterdarstellungen, Wappen und Inschriften, in früherer Zeit dezidierter auch in der Wahl bestimmter ikonographischer Programme und deren Kombination im Kirchenraum. Eine umfassende Bearbeitung der Wandmalereien ist deshalb eng mit einer Klärung der historischen Umstände ihrer Entstehung und der spezifischen Gestaltung der jeweiligen Kirchen verzahnt. In der von Kleinherrschaften durchsetzten Region besitzt dies eine noch wesentlich größere Bedeutung als in herrschaftlich homogeneren Gebieten oder Regionen mit eindeutigen Oberzentren, die hier weitgehend fehlen.

Die mittelalterliche Wandmalerei zwischen Rhein, Neckar und Enz harrt bis heute einer angemessenen kunsthistorischen Würdigung. Während die ersten Ausmalungen bereits im 19. Jahrhundert aufgedeckt wurden, sind nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Kirchen bis dahin unbekannte Wandmalereien entdeckt und freigelegt worden. Nur sehr wenige von ihnen wie die spätromanischen Malereien im Chor von Lobenfeld, die frühgotischen im Chor der Pfarrkirche von Eppingen oder die Wandmalereien im Kloster Maulbronn wurden ihrem Rang entsprechend kunsthistorisch untersucht. Die meisten sind hingegen bisher unpubliziert geblieben, eine auch nur die wichtigsten Denkmäler zusammentragende Darstellung gibt es nicht.
Hier setzte das Forschungsprojekt an, in dem alle bekannten mittelalterlichen Wandmalereien zwischen Rhein, Neckar und Enz katalogisiert und in ausgewählten Beispielen kunsthistorisch untersucht wurden.

Die mittelalterlichen Wandmalereien zwischen Rhein, Neckar und Enz, hg. v. Klaus Gereon Beuckers (=Heimatverein Kraichgau Sonderveröffentlichung Bd. 35), Verlag Regionalkultur: Ubstadt-Weiher 2011, ISBN 978-3-89735-669-6.

Inhalt:Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee
- Klaus Gereon Beuckers: Einleitung, S. 13-18.
- Dörthe Jakobs: Zu Maltechnik und Restaurierungsgeschichte mittelalterlicher Wandmalerei im Chor der ehemaligen Klosterkirche Lobenfeld, S. 19-36.
- Stefanie Seeberg: Die Marienkrönung in St. Clemens in Horrheim und die Ikonographie der Marienkrönung in der Monumentalmalerei im deutschsprachigen Raum bis um 1330, S. 51-66.
- Vivien Bienert: Leiden bis zum bitteren Ende? Das Programm der Eppinger Chorausmalung mit Anmerkungen
zur Datierung, S. 67-76.
- Gisela Probst: Sepulchrum Domini in Brackenheim. Zu Typus und Funktion südwestdeutscher Heiliger Gräber im Spätmittelalter, S. 77-94.
- Katharina Backes: Die Gewölbemalereien der Chorturmkirchen. Von Evangelisten, Propheten und Kirchenvätern und ihrer Bedeutung, S. 95-112.
- Vivien Bienert: "...vnd komm vns zv Trost vnd zv Hilf an vnserm letsten End". Die Pankratiuskapelle in Altwiesloch und ihre Wandmalerei, S. 113-132.
- Stephan Boll: Die Wandmalereien in Obergrombach und ihre Forschungsgeschichte, S. 133-146.
- Katharina Backes: Zur Ikonographie der Credo-Apostel und ihren Beispielen in der Wandmalerei zwischen Rhein, Neckar und Enz, S. 147-162.
- Silvia Schindler: Die Malereien im Chor der Johanniskirche zu Brackenheim - Credo oder Fronleichnamsspiel?, S. 163-174.
- Helga Steiger: Memoria und Wandmalerei. Ausgewählte Grablegen des Kraichgauer Adels und ihre Ausstattung mit Wandmalereiprogrammen, S. 175-198.
- Doris Ebert: Die Gutleutkapelle von Mosbach und ihre Beziehungen zu den gotischen Wandgemälden in Lobenfel, S. 199-212.
- Daniela Dollenmayer: Zu Programm und Vorlage des Bilderzyklus in Kleingartach, S. 213-226.
- Miriam Eberle: Die Ausmalung der Pfarrkirche St. Martin in Zeutern und ihr Programm, S. 227-238.
- Julia Sukiennik: Der gemalte Sakramentsaltar von Sersheim und die Wandmalerei um Sakramentsnischen, S. 239-250.
- Ute Fessmann: Notburga. Die Kraichgauheilige und ihr Wandmalereizyklus in Hochhausen am Neckar, S. 251-280.
- Vera Henkelmann: Die Strahlenkranzmadonne in Lienzingen und die Darstellung von Strahlenkranzmadonnen um 1500, S. 281-292.
- Inga Falkenberg: Das Hohenhaslacher Patronatsbild und die Frage nach der Darstellung von Heiligen in der Reformation, S. 293-302.
- Helga Fabritius: Vegetabile Ornamente? Zur Rankenmalerei im Spätmittelalter, S. 303-316.
- Klaus Gereon Beuckers, Ute Fessmann: Katalog der Wandmalereien zwischen Rhein, Neckar und Enz, S. 317-487.

Kontakt

Prof. Dr. Klaus Gereon Beuckers
Olshausenstraße 40
D-24118 Kiel
Tel. +49 (0)431 880 4630
beuckers@kunstgeschichte.uni-kiel.de